AfD im Klausenerplatz-Kiez?
Nein Danke!
Die AfD hatte für Sonnabend den 12. September 2026 eine
Wahlkampfabschlusskundgebung auf dem Klausenerplatz angekündigt. Das
Kiezbündnis Klausenerplatz e.V. hat davon „Wind“ bekommen und die Nachricht
weiterverbreitet. Das Bündnis „Charlottenburg-Wilmersdorf hält zusammen“ hat dann
eine Gegenkundgebung auf dem Klausenerplatz angemeldet und von der Polizei
genehmigt bekommen. Dies Kundgebung wurde vom Kiezbündnis unterstützt und
die nebenstehende Ansprache beigetragen.
Der Klausenerplatz war vor Beginn der Veranstaltungen an Fassaden, Kästen und
auf dem Boden bunt „geschmückt“. Auch die Menschen auf der Gegenkundgebung
hatten bunte und phantasievolle Plakate und Transparente dabei. Siehe hierzu die
nebenstehende Bildergalerie.
Die AfD-Veranstaltung hatte – je nach Angabe – 100 bzw. 150 Teilnehmende. Auf
der Gegenkundgebung waren 350 – 400 Menschen. Es ist zu berücksichtigen, dass
zeitgleich eine berlinweite Demonstration zum Thema Rassismus und AfD mit ca.
20.000 Teilnehmenden durchgeführt wurde. Insofern war die Gegenkundgebung auf
dem Klausenerplatz für uns ein voller Erfolg.
Presse
Links zu den Zeitungsartikeln: BZ und Berliner Zeitung
Ansprache Wolfgang Neumann auf Gegenkundgebung 12.09.2026
Das Kiezbündnis Klausenerplatz unterstützt diese Kundgebung, weil Antirassismus
eines der Grundprinzipien bei seiner Gründung im Jahr 1999 war. Das Kiezbündnis
steht für Demokratie, Vielfalt, Toleranz und Zusammenhalt. Rassismus und
Antisemitismus haben bei uns keinen Platz. Deshalb protestieren wir auch dagegen,
dass die AfD im Klausenerplatz-Kiez eine Veranstaltung abhält.
Sie kommen zwar blau daher, ihr Programm schimmert jedoch nicht nur braun,
sondern eine genauere Analyse zeigt, es ist braun. Sie tragen zwar noch keine
braunen Hemden oder gar SA- bzw. SS-Uniformen, aber wenn kein entschlossener
Widerstand der demokratischen Kräfte erfolgt, ist das durchaus ein reales Szenario.
Einer ihrer Landesvorsitzenden ist ausgewiesener Faschist. Ein anderer
Landesvorsitzender, der möglicherweise demnächst Ministerpräsident wird, weiß
nicht, wie schlimm er den Holocaust finden soll. Der Spitzenkandidat der AfD in
Charlottenburg-Wilmersdorf Martin Christian Thomas Kohler war Vorsitzender der
Jungen Alternative Berlin. Diese Jugendorganisation der AfD galt als gesichert
rechtsextremistisch und hat sich – einem Verbot zuvorkommend – im Jahr 2025
selber aufgelöst.
Wenn man die Höckes, Siegmunds, Chrupallas usw. hört, fühlt man sich in die
1930er Jahre rückversetzt. Die jetzigen rechtskonservativen Feigenblätter Weidel
und Brinker werden möglicherweise nicht mehr lange was zu sagen haben. Sie
werden genauso weggefegt, wie vorher Lucke und Petry.
Der Platz auf dem wir hier stehen, wurde 1950 nach Erich Klausener benannt. Ein
gläubiger Katholik und hoher preußischer Beamter. Vor Hitlers Einsetzung ein
Naziskeptiker, danach eine durchaus nicht unumstrittene Persönlichkeit. Er wurde
1934 von einem SS-Mann, vermutlich im Auftrag Heydrichs, erschossen.
Das waschechte Neonazies Mitarbeiter von AfD-Abgeordneten auf allen Ebenen
sind, ist kein Geheimnis. Alle solche Leute wollen wir hier im Kiez nicht.
Das Bezirkswahlprogramm der AfD kommt oberflächlich betrachtet konservativ
harmlos daher. Bei genauerem Lesen sind jedoch Begriffe zu finden wie
„Migrationskatastrophe“, „Abschaffung öffentlich finanzierter
Integrationsmaßnahmen“, „Wohnungsnot durch konsequente Abschiebung
beenden“. Eine genauere Analyse zeigt auch bei anderen Sachthemen, dass
dahinter eine bestimmte Ideologie steckt. Es sollte sich niemand täuschen lassen.
Ich habe 2023 auf einer ähnlichen Kundgebung wie heute vor dem Seitenflügel des
Charlottenburger Schlosses gesagt, das es maßgebliche Vertreter von Parteien aus
dem demokratischen Spektrum gibt, die sich dem Vokabular der AfD immer mehr
anpassen. Das gilt teilweise übrigens auch für Medien. Meine Befürchtung war damals, dass damit die AfD in immer größeren Kreisen salonfähig gemacht wird. Ein
Blick auf die Wahlergebnisse der letzten drei Jahre zeigt, dies hat sich leider
bewahrheitet.
Dennoch oder trotzdem bedeutet die Stimmabgabe für die AfD bei einer
demokratisch organisierten Wahl nicht, dass die AfD eine demokratische Partei ist,
die genauso behandelt werden muss, wie die anderen Parteien. Im Gegenteil, sie
wird selbst vom Verfassungsschutz in Teilen als rechtsextrem und
verfassungsfeindlich eingeschätzt.
Wir wollen Vertreter und Vertreterinnen der AfD nicht im Abgeordnetenhaus, nicht in
der Bezirksverordnetenversammlung und auch nicht in unserem Kiez.
Wir brauchen weder Biedermänner, noch Brandstifter.
Wir brauchen keine alten oder neuen Nazis.
Wir wollen eine bunte und demokratische Gesellschaft, in der alle friedlich
zusammenleben können.
Ich habe heute Vormittag hier ganz in der Nähe mit Bezug auf eine
Getränkewerbung den Spruch gelesen:
„Braune Flaschen trinken,
nicht wählen“
Hoffentlich befolgen das mehr als 95% aller Wählerinnen und Wähler.
Bildergalerie (wird ergänzt)



