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Kiezrundgang

Entdecken Sie Zilles "Milljöh!"

Zilles Milljöh Flyer
Zilles Milljöh Flyer

Wussten Sie, dass Sie sich hier mitten im alten Zille Kiez befinden? Wussten Sie, dass der berühmte Zeichener des "Berliner Milljöh" fast vierzig Jahre bis zu seinem Tod lebte und arbeitete? Wussten Sie, dass hier die Wiege Charlottenburgs stand, der einstmals reichsten Stadt Preussens? Und, dass hier ein Zentrum des Widerstands gegen die NS-Horden war? Sowie ein Brennpunkt von Sanierungskämpfen und Hausbesetzungen?

Machen Sie einen kleinen Umweg auf Ihrem Weg zum Schloß Charlottenburg! Lassen Sie sich von Heinrich Zille durch seinen ”Kiez” führen. Entdecken Sie ein typisches Berliner Arbeiterquartier mit einer wechselvollen Geschichte. Erleben Sie historische Orte und überraschende Einblicke.

Wir wünschen Ihnen dabei viel Vergnügen und neue Erkenntnisse.

Der Rundgang

Straßenkarte des Kiezes am Klausenerplatz mit den Orten der Geschichtsstationen Klausenerplatz
Plangrafik © H. Engelgeer

Der Grafiker Hank Engelgeer hat einen anschaulichen Plan für unseren Flyer entworfen. So können Sie die Geschichtsstationen auf Ihrem Spaziergang durch den Kiez leicht finden. 

Wir beginnen unseren kleinen Rundgang in der Schloßstraße 22 an der Interner LinkGedenktafel für Otto Grüneberg[1], gehen vorbei am Interner LinkNassen Dreieck[2] zum Interner LinkKläre-Bloch-Platz[3], der erst seit 2004 nach einer der ersten Taxifahrerinnen Berlins benannt wurde. Sie hatte in der Nazizeit besondere Courage gezeigt und in ihrer 2-Zimmer-Wohnung im Horstweg 28 jahrelang jüdische Bürger versteckt. Im Interner Linkehemaligen Ledigenheim[4] in der Danckelmannstraße ist heute ein Studentenwohnheim untergebracht, früher schliefen hier Junggesellen, die sich von ihrem Geld gerade mal ein Bett bei fremden Leuten leisten konnten. Im Interner LinkZiegenhof[5] fühlt man sich fast wie auf dem Lande, Bäume, Rasen und Tiere: Ziegen, Hühner und Gänse. Der Platz ist offizielle Grünfläche des Bezirks. Kulturell geht es weiter zum Interner LinkZille Wohnhaus [6] in der Sophie-Charlotten-Straße. Von der alten Interner LinkEngelhardt Brauerei[7] in der Danckelmannstraße geht es über den Interner LinkKlausenerplatz[8] zur Interner Linkehemaligen Reithalle[9] in der Neufertstraße, heute befindet sich dort ein Supermarkt. Am Haus des Interner LinkKammertürken Hassan[10] ist unser kleiner geschichtlicher Spaziergang beendet.

Schnellauswahl

Stationen des Rundganges

  1. Interner LinkGedenktafel für Otto Grüneberg
  2. Interner LinkNasses Dreieck
  3. Interner LinkKläre-Bloch-Platz
  4. Interner LinkEhemaliges Ledigenheim
  5. Interner LinkZiegenhof
  6. Interner LinkZille Wohnhaus
  7. Interner LinkEhemalige Engelhardt-Brauerei
  8. Interner LinkKlausenerplatz
  9. Interner LinkEhemalige Reithalle
  10. Interner LinkHaus des Kammertürken Hassan Gedenktafel

Startet den DownloadEntdecken Sie Zilles "Milljöh"! Flyer PDF

1 Gedenktafel für Otto Grüneberg - Kastanie, Schloßstr. 22

Gedenktafel von Otto Grüneberg mit der Inschrift: Hier wurde am 1.Februar 1931 Derr Antifaschist Otto Grüneberg Geboren Am 7.Februar 1908 Vom SA-Sturm 33 Ermordet
Gedenktafel

Hier im Kiez hatten die Nazis nicht viel zu bestellen, hier haben viele Leute SPD und KPD gewählt. Kein Wunder, waren ja hauptsächlich Arbeiterfamilien. Ich weiß, wovon ich rede. Weil die Nazis immer frecher wurden, haben die Arbeiter „Häuserschutzstaffeln“ gegründet, um sich gegen Überfälle der Nazi-Rabauken zu wehren. Otto Grüneberg haben die Nazis im Februar 1931 erschossen. Er war Kommunist und kam gerade von einer Sitzung der Internationalen Arbeiterhilfe, als er in der Hebbelstraße vom berüchtigten SA-Sturm 33 angeschossen wurde. Er hat es dann noch bis in die Kneipe in seinem Haus geschafft, dort ist er gestorben. ln der Schloßstr. 22 war das, die Gaststätte gibt es heute noch. Darin hängt ein Porträt von Otto Grüneberg. Und an der Fassade erinnert eine Tafel an den Mord. Otto Grüneberg blieb nicht der einzige junge Widerstandskämpfer im Kiez, der von den Nazis ermordet wurde. Ln der Seelingstr. 21 gibt es eine weitere Gedenktafel. Sie erinnert an den 1934 in Plötzensee hingerichteten Kommunisten Richard Hüttig.

 

2 Nasses Dreieck - Schloßstraße, Ecke Zillestraße

Ansicht vom Nasses Dreieck Schlossstr. Knobelsdorfstr.
Nasses Dreieck 2008 Photo (c) A. Oehme

Als ich 1892 in den Kiez zog, war der Karpfenteich schon lange zugeschüttet. Angelegt hatte ihn 1711 König Friedrich I. Offensichtlich hatte der ein Faible für Fische. Kurz nach 1900 habe ich mitbekommen, wie sie Pfähle in den sumpfigen Untergrund gerammt haben und dann haben sie das ganze Areal mit fünfgeschossigen Mietshäusern bebaut.

Und jetzt kommt‘s: 1912 mußten sie schon das erste Haus abreißen, weil es abgesackt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das mit dem Abreißen weiter, und 1972 war dann endgültig Schluß. Da verschwanden fast 30 Häuser. Heute gibt es dort einen Sportplatz, eine Autowerkstatt und einen kleinen Park mit einem Spielplatz.

 

3 Kläre-Bloch-Platz

Ansicht vom Brunnen auf dem Kläre-Bloch-Platz
Brunnen Kläre-Bloch-Platz 2008 Photo (c) A. Oehme

Diese Frau war schon was Besonderes, das muß ich sagen. ln den 1930er Jahren war sie eine der ersten Taxifahrerinnen in Berlin. Da hieß sie noch Kläre Begall. ln der Nazizeit hat sie besondere Courage gezeigt und in ihrer 2-Zimmer-Wohnung im Horstweg 28 jahrelang jüdische Bürger versteckt. Darunter war auch Erich Bloch. Den hat sie nach dem Krieg geheiratet. 1988 ist sie gestorben, da war sie 80. Der Bürgerverein Kiezbündnis Klausenerplatz ist aktiv geworden und hat dafür gesorgt, daß der Platz an der Knobelsdorffstraße seit 2004 ihren Namen trägt. Und seit 2010 gibt es eine Gedenktafel für Kläre Bloch an ihrem Wohnhaus im Horstweg 28.

 

4 Ehemaliges Ledigenheim - Danckelmannstr. 46/47

Ansicht vom Ehemaliges Ledigenheim - Danckelmannstr. 46/47
Ledigenwohnheim

Weiß eigentlich heute noch einer, was „Schlafburschen“ waren? Zu meiner Zeit gab es noch viele davon in Berlin: Junggesellen, die sich von ihrem Geld gerade mal ein Bett bei fremden Leuten leisten konnten. Manchmal mußten sie das sogar mit jemand Anderem teilen. Ln Charlottenburg gab es genug Geld, und deshalb hat man 1908 das Ledigenheim in der Danckelmannstraße eröffnet. Für rund zehn Mark im Monat bekam jeder ein Zimmer, nicht sehr groß, etwa 6 qm. Es gab auch einen Gemeinschaftsraum, eine Bibliothek, eine Speisehalle und Bademöglichkeiten. Hier im Kiez nannten sie das Haus „Bullenkloster“, weil die Männer keinen Frauenbesuch empfangen durften. Seit den 1970er Jahren ist es ein Studentenwohnheim. Und es wohnen sogar Studentinnen darin!

5 Ziegenhof - Eingang Danckelmannstr. 16

Ansicht vom Ziegenhof: Ziege beim fressen
Ziegenhof 2008 Photo (c) A. Oehme

Wenn die Sonne scheint, ist fast der ganze Kiez da. Kinder und Erwachsene. Ist ja auch kein Wunder - wo gibt es sonst Ziegen in der Innenstadt? Zu meiner Zeit war es noch eine dichtbebaute Fläche mit vielen Hinterhöfen und Quergebäuden. Das änderte sich während der Sanierungszeit in den 1970er Jahren. Da hat man die Hinterhäuser abgerissen, wollte die Fläche aber wieder bebauen. Da das Volk hier schon immer renitent war, war es nix mit den Plänen. Die Anwohner haben nämlich Bäume angepflanzt und Rasen ausgesät, und bald kamen auch schon die ersten Tiere: Ziegen, Hühner und Gänse. Heute ist der Platz offizielle Grünfläche des Bezirks. Und eine Anwohnergruppe kümmert sich um alles: kauft Futter für die Tiere und paßt auf, daß die Leute den Ziegen kein Brot geben. Das vertragen die nämlich nicht.

 

6 Zille Wohnhaus - Gedenktafel in der Sophie-Charlotten-Str. 88

Gedenktafel an Heinrich Zille: Sophie-Charlotten-Str. 88; mit der Inschrift: In diesem Haus wohnte vom 1.September 1892 bis zu seinem Tode der Mesiter des Zeichenstiftes der Schilderer des Berliner Volkslebens Heinrich Zille Geb.10.1.1858 Radeburg Gestr.9.8.1929 BerlinSeinem Andenken die Stadt Berlin 1981
Gedenktafel

Warum ich in die Sophie-Charlotten-Straße gezogen bin? Ganz einfach: Mein Arbeitgeber, die „Photographische Gesellschaft“, ist ins Westend gezogen, und da habe ich mir auch eine Wohnung in Charlottenburg gesucht. Zusammen mit meiner Frau Hulda und den Jungs bin ich 1892 eingezogen, vierter Stock, mit Balkon, und von da konnte ich bis ins Westend kucken. Dazwischen standen noch keine Häuser, da gab‘s nur Felder und Wiesen und die Eisenbahn. Fast vierzig Jahre habe ich hier gewohnt. Zum Schluß war das Treppensteigen eine Plage, die verdammte Gicht und die Zuckerkrankheit. Aber vorher, da bin ich fleißig durch Berlin gezogen und habe gezeichnet und gemalt und auch photographiert. Auch hier im Kiez. Die Tafel mir zu Ehren hat der Magistrat 1931 am Haus angebracht. Die Nazis haben sie abmontiert, doch ein Arbeiter hat sie versteckt, und seit 1949 hängt sie wieder an der alten Stelle.

 

7 Ehemalige Engelhardt-Brauerei - Danckelmannstr. 9A-D

Ansicht  Engelhardt-Brauerei - Danckelmannstr. 9A-D
Danckelmannstr. 9 Photo (c) A. Oehme

Was ich immer sehr gerne gesehen habe: Wenn die Pferdegespannemit vollen Bierfässern aus dem Tor der Brauerei gerollt kamen. Angefangen hat alles 1884 in der Sophie-Charlotten-Straße, da wurden die ersten Gebäude errichtet. Schließlich reichte die Bebauung bis zur Danckelmannstraße. 1930 gehörte die Engelhardt-Brauerei zur zweitgrößten Brauerei-Gruppein Deutschland. Dann haben die Nazis den jüdischen Besitzer gezwungen, die Brauerei für‘n Appel und ‘n Ei an die Dresdner Bank zu verkaufen. Das nannte man „Arisierung“. Nach dem Krieg hat man weiter gebraut, aber 1983 war Schluß. Brau und Brunnen, einer der größten deutschen Braukonzerne, hat alles gekauft und dann geschlossen: ein Konkurrent weniger! Brauereipferde gab‘s da schon lange nicht mehr. Heute ist es ein Gewerbehof.

8 Klausenerplatz

Ansicht vom Spielplatz auf dem Klausenerplatz
Klausenerplatz 2008 Photo 8c) A. Oehme

Vielleicht kennt der eine oder andere die Photographien, die ich gemacht habe. Welche vom Wochenmarkt auf dem Friedrich-Karl-Platz sind auch darunter, so hieß der Platz nämlich früher. Angefangen hat er als Reitplatz vor rund 150 Jahren. Ende des 19. Jahrhunderts haben sie ihn umgestaltet, aber richtig schön wurde er erst um 1922, als Erwin Barth, der Gartenarchitekt, zum Zuge kam. Für unseren Arbeiterkiez war das schon was Besonderes: Blumenbeete, ein Kinderspielplatz, Ruhebänke und viel Grün - ein richtiger Schmuckplatz. Dann kamen die Nazis an die Macht, das habe ich zum Glück nicht mehr erlebt. Der Kinderspielplatz verschwand, und ein Luftschutzbunker mußte her. Dieser wurde erst 1992 wieder abgerissen, und der Platz wurde nach den Plänen von Barth rekonstruiert.

9 Ehemalige Reithalle - Neufertstr. 19/21

Ansicht von der  Ehemalige Reithalle - Neufertstr. 19/21; Zur Zeit mit einem Biomarkt
Neufertstr. 19 Biomarkt

Ich kenne die Neufertstraße nur als Magazinstraße. Der Name kommt von dem Futterspeicher, der dort früher stand. Das Futter war für die Pferde, und die gehörten zu einem Eliteregiment, das in der Nähe des Schlosses stationiert war. 1896 haben sie an dieser Stelle eine Reithalle für die Offiziere gebaut, aber nach dem Ersten Weltkrieg war‘s vorbei mit der Reiterei. Schließlich ist die katholische Kamillus-Kirchengemeinde eingezogen und hat die Räume als Notkirche genutzt. Bis 1932, da hatten sie dann ihre eigene Kirche gleich um die Ecke fertiggestellt Dann kam das Mali-Kino. Das hat in den 1930ern eröffnet und war das einzige Kino im Kiez. Ende der 60er haben sie es dicht gemacht. Und schließlich wurde das Gebäude 1970 wieder ein Futterspeicher. 33 Jahre lang war hier der Discounter ALDI ansässig; dann erfolgte ein aufwendiger Umbau nach historischen Plänen, ehe im Herbst 2013 eine Filiale der BIO COMPANY einzog.

 

10 Haus des Kammertürken Hassan Gedenktafel - Schloßstr. 6

Hassan Gedenktafel - Schloßstr. 6 mit der Inschrift: BERLINER GEDENKTAFEL Hier befand sich bis zu seiner Zerstörung im 2. Weltkrieg das ehemalige Freihaus des Kammertürken Hassan das von 1855 bis 1857 dem Bildhauer Christian Daniel Rauch (2.11.1777-3.12.1857) als Sommerhaus diente
Gedenktafel Schloßstr. 6 Photo (c) A. Oehme

Ob Aly und Hassan, die Soldaten im türkischen Heere, freiwillig mit nach Berlin gekommen sind, nachdem die Preußen und Hannoveraner sie Ende des 17. Jahrhunderts auf dem Balkan gefangengenommen hatten? Das weiß ich nicht. Aber immerhin ging es ihnen hier doch ganz gut. Sie waren Kammerdiener von Sophie Charlotte, der ersten preußischen Königin. Und ordentlich verdient haben sie auch, sonst hätten nicht beide 1705 ihre Häuser in der Schloßstraße bauen können. Weil sie zum Hof gehörten, mußten sie keine Steuern und Abgaben an die Stadt Charlottenburg bezahlen. Das Haus von Hassan in der Schloßstr. 6 habe ich noch gekannt, das haben erst die Bomben im Zweiten Weltkrieg vollkommen demoliert. Seit über 50 Jahren haben die Adventisten hier ihr Gemeindezentrum. Das Haus von Aly in der Schloßstr. 4 hat man schon 1884 abgerissen.

 

Akustischer Kids-Kiezrundgang

Im Rahmen des Jugendprogramms "Zeitensprünge in Berlin" der Stiftung Demokratische Jugend hat der abw (Gem. Gesellschaft für Arbeit, Bildung und Wohnen mbH) mit Kindern und Jugendlichen aus dem Kiez Texte, Bilder und Tondokumente für einen "Historischer Kiez-Spaziergang" erarbeitetet.  

Hilfestellung erhielten sie von ehrenamtlichen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Geschichts-AG des Kiezbündnisses Klausenerplatz e.V.. Das Jugendprojekt stand im Zusammenhang mit dem historischen Kiez-Rundgang, den das Kiezbündnis 2008 für Besucher und Gäste des Gebiets erarbeitet hat.

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