Fragen zum Projekt Ökokiez 2020

Hier beantworten wir häufig gestellte Fragen rund um das Projekt Ökokiez2020.

Falls Sie weitere Fragen und/oder Anregungen haben senden Sie uns eine Mail.

 

Was waren die Motive für das Projekt und wer sind die Projektinitiatoren?

Ökokiez2020 wurde von Anwohnern des Wohnquartiers am Klausenerplatz initiiert. Zur Ausarbeitung und Begleitung des Projekts „Ökokiez 2020“ wurde 2008 beim Kiezbündnis Klausenerplatz e.V. eine Arbeitsgruppe „Ökokiez 2020“ gegründet. Die Mitglieder der AG eint die Sorge um die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf unserer Umwelt und um eine lebenswerte Perspektive im Kiez insbesondere für unsere Kinder.

Zur Zeit arbeiten acht Bürgerinnen und Bürger aus dem Klausenerplatzkiez regelmäßig in der Ökokiez-AG mit. Einige der Mitglieder der AG sind mit unterschiedlicher Ausrichtung auch parteipolitisch aktiv. Mit dem Projekt werden aber keinerlei parteipolitischen Interessen verfolgt. Übrigens muss man, wie bei den meisten Aktivitäten vom Kiezbündnis Klausenerplatz e.V. nicht Vereinsmitglied sein, wenn man sich an der Arbeit der Ökokiez-AG beteiligen möchte.


Was sind die Ziele von Ökokiez 2020?

Die Projektinitiatoren verbinden mit Ökokiez2020 ein längeren Prozess, in dem unter Beteiligung der Anwohner und Gewerbetreibenden des Quartiers vorbildhaft gezeigt wird, was in einem dicht bebauten überwiegend gründerzeitlichen Wohnviertel an Klimaschutz und an Klimavorsorge möglich, bezahlbar und sinnvoll ist. Auf Basis des jetzt beauftragten Klimaschutzkon­zeptes  sollen dann an einzelnen Beispielen im Kiez verschiedenste Ansätze zu Klimaschutz und –vorsorge umgesetzt und für Interessierte Bürger aus anderen Stadtgebieten oder sogar außerhalb Berlins gezeigt werden. Wie viele Maßnahmen umgesetzt werden, ist maßgeblich von der finanziellen Förderung des Projektes nach der ersten Phase (Klimaschutzkonzept) abhängig.


Warum ein "Integriertes kommunales Klimaschutzkonzept"?

Bevor ein Maßnahmenkonzept aufgestellt werden kann, muss zunächst geprüft werden, welche Maßnahmen überhaupt sinnvoll, klimaentlastend und wirtschaftlich vertretbar sind. Die Grundlagen für die Frage, was konkret für den Kiez notwendig, sinnvoll und umsetzbar ist, soll das "Integrierte kommunale Klimaschutzkonzept" schaffen. Um ein solches Konzept aufzustellen muss zunächst untersucht werden, welche Klimabilanz der Kiez hat. „Integriert“ bedeutet hierbei, dass nicht nur der Energieverbrauch im Haushalt, sondern alle klimarelevanten Bereiche (Gewerbe, öffentliche Gebäude, Verkehr, Konsumverhalten etc.) betrachtet werden. Mit dieser gutachterlichen Arbeit hat der Bezirk die Beratungs- und Service-Gesellschaft Umwelt mbH (B.&S.U.) aus Berlin beauftragt.

Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme sollen im Herbst öffentlich vorgestellt werden, um in einem zweiten Schritt Vorschläge für einzelne Maßnahmen machen zu können.


Was kommt nach der Vorlage des Konzept?

Das Klimaschutzkonzept - die Analyse und grundsätzliche Vorschläge für Klimaschutzmaßnahmen im Kiez - muss von der Kommune/Gemeinde (in Berlin von der Bezirksverordnetenversammlung) formell beschlossen werden. Dies ist Voraussetzung für die Beantragung öffentlicher Fördermittel, die zur Maßnahmenumsetzung notwendig sind. In der zweiten Phase des Projekts „Ökokiez 2020“ sollen auf Grundlage des Klimaschutzkonzepts konkrete sektorale Klimaschutz- und vorsorgemaßnahmen (Verkehr, Grünflächen, öffentliche Gebäude, Wohngebäude, Heizungssysteme etc.) ausgeplant werden, die dann nach Maßgabe der Förderung umgesetzt werden.

Für diese Phase soll durch die befristete Einsetzung eines "Klimaschutzbeauftragten" (der auch in einem Bundesprogramm gefördert werden kann) beschleunigt und gesteuert werden.

Die Vorstellung der Ökokiez-AG ist die Förderung von unterschiedlichen Demonstrations-Vorhaben, die auch überregional Beachtung finden und zeigen, was in Sachen Klimaschutz in einem Altbau-Quartier möglich ist.


Wird mit dem Projekt Ökokiez2020 die "Gentrifizierung" des Quartiers betrieben ?

Erstens: Der Kiez am Klausenerplatz ist seit den 60er Jahren nicht zu unrecht als migrantisches Armutsquartier gehandelt worden. Den Versuch die angestamm­te Bevölkerung durch eine radikale Stadtsanierung in die Trabanten­städ­­te zu verbannen haben die Menschen im Kiez durch zähen Widerstand und kluges Abhandeln günstiger Bedingungen (u.a. Mieten) erfolgreich abgewehrt. Weder die Mieter, noch die damals aktiven Bewohnerorganisationen Mieterinitaitive SCK e.V. oder der damalige Mieterbeirat  haben sich in den 70er und 80er Jahren gegen die Sanierung des Kiezes gewandt. Anfang der 90er hat man dann die Resultate der "Behutsamen Stadterneuerung", nämlich die nach wie vor relative arme Bevölkerung im Kiez, Schulklassen in denen nicht mehr deutsch gesprochen wird und das niedergehende Gewerbe, heftig beklagt. Noch in 2007 hat sich der Bezirk um eine Förderung des Gebiets mit einem Quartiersmanagement bemüht. 

Zweitens: In den vergangenen Jahren haben sich viele Anwohner im Kiez bemüht, die Verhältnisse zu verbessern, das Quartier für Familien mit Kindern und auch für Mitbürger mit etwas dickerem Geldbeutel wieder attraktiv zu machen, um eine gute soziale Mischung zu erreichen. Auch die GEWOBAG, der Bezirk, die Gebietskoordination und nicht zuletzt das Kiezbündnis Klausenerplatz e.V. haben am gleichen Strang gezogen und durchaus eine Verbesserung erreicht. Das Quartier hat in dieser Entwicklung nichts von seinem Charme eingebüßt und auch die soziale Zusammensetzung im Quartier hat sich ausweislich der Sozialstatistik nur unwesentlich verändert. Im Kiez gibt es einfach nicht die Rahmenbedingungen, die für dynamische Verdrängungsprozesse Voraussetzung wären. 60% der Wohnungen gehören der städtischen GEWOBAG, davon sind über die Hälfte der Wohnungen als sozialer Wohnungsbau gebunden. Der Wohnungsspiegel im Kiez bietet mit wenigen 4- und mehr Zimmerwohnungen nicht den Lifestyle für die Generation Cappuccino. Die Quote an Eigentumswohnungen liegt unter 10%, die Umwandlung in den letzten 10 Jahren kann man mit einer Hand abzählen. Sicher, die Mieten sind nicht preiswerter geworden aber dennoch ist der Bestand (dank der öffentlich geförderten Sanierung!) immer noch deutlich preiswerter als am Kaiserdamm oder am Lietzensee, ganz zu schweigen von Mitte oder dem Kollwitzplatz.

Drittens: Der allmächtige aber weitgehend sinnentleerte Kampfbegriff "Gentrifizierung" ist der Einwand der selbsternannten neuen (alten) Linken, der gegen jede Entwicklung eines Quartiers wohlfeil ist. Niemand der hier im Kiez lebt, kann ernsthaft behaupten, dass eine Vollkornbäckerei (die es seit 20 Jahren gibt), der Neuland-Fleischer, Giro d'Espresso oder die Baulücken­schlie­ßung in der Nehringstraße die untrüglichen Zeichen der "Gentrifizierung" des Kiezes seien. 

Viertens: Unbestritten ist jede Stadt im Wandel und Berlin vielleicht in besonderem Maße. Es ist die große Leistung wohlgesinnter Stadtplaner zu zeigen, dass die Stadt des 19. Jahrhunderts auch noch im 21 Jahrhundert bestehen kann. Nicht aber, ohne sich an die veränderten Lebenswelten anzupassen. So wie in den 60er und 70er Jahren der Kiez den neuen Ansprüchen bezüglich der Wohnungs- und Infrastrukturausstattung entsprechen musste (z.B. durch Einrichtung der ersten verkehrberuhigten Zone in Berlin – Link zur Sanierungszeitung), so werden in den nächsten 20 bis 30 Jahren tiefgreifende Änderungen bezüglich der Energienutzung und Klimavorsorge sowie der demografischen Entwicklung notwendig sein. Das derzeitige aus den 70er Jahren stammende Heizkonzept im Kiez, mit Blockheizzentralen, überdimensionierten weitverzweigten Heizleitungen, beheizten Treppenhäusern und Einrohrsystemen ist nur eines dieser Zukunftsprobleme. Ein Wohnungsbestand im Altbau mit weniger als 10% Fahrstuhlanlagen und eine zunehmend ältere Bevölkerung ist ein anderes. zu können.


Stehen die derzeit von der GEWOBAG oder anderen Eigentümern geplanten oder realisierten Energiesparmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Projekt Ökokiez2020?

Nein, diese Maßnahmen haben nichts mit dem Ökokiez2020-Projekt zu tun, denn die bisher für das Ökokiez-Projekt skizzierte Maßnahmenvorschläge werden erst auf Grundlage des vom Bezirksamt verabschiedeten Klimaschutzkonzepts bewertet und nach Maßgabe verfügbarer Fördermittel frühestens ab Ende 2012 umgesetzt.

Völlig unabhängig vom Ökokiez-Projekt sind aber alle Hauseigentümer schon heute gesetzlich verpflichtet, unter bestimmten Rahmenbedingungen energetische Sanierungen an Gebäuden durchführen zu lassen. Besonders ist dabei auf die bundesweite Energieeinsparverordnung (EnEV) hinzuweisen, die auf Grundlage des Energieeinspargesetzes (EnEG) erstmalig 2002 erlassen und zuletzt im Oktober 2009 novelliert wurde.  Die nächste Novellierung der EnE mit weiteren Verschärfungen der Anforderungen an den Wärmeschutz bei Gebäuden ist bereits für 2012 angekündigt. Auch das Berliner Energiespargesetz (BEnSpG) stellt heute schon Anforderungen an die energetische Gebäudesanierung. Ein verschärftes Berliner Klimaschutzgesetz wird seit zwei Jahren heftig diskutiert und soll in der nächsten Legislaturperiode des Abgeordenetenhauses beschlossen werden.


Wird das Ökokiez2020 Projekt zu erhöhten Wohnkosten führen?

Es ist ausdrückliches  Ziel des Projektes, modellhafte Energiesparmaßnahmen an Wohngebäuden, Heizungsanlagen und Wohnungen (soweit diese Gegenstand des Projektes werden) mit öffentlichen Projektfördermitteln umzusetzen. Das Ökokiez-Projekts soll u.a. zeigen, welche Klimaschutz- und vorsorgemaßnahmen  im Bestand besonders geringe Auswirkungen auf die Warmmieten hätten, wenn sie nach den üblichen Regeln umgelegt würden. Innerhalb des Ökokiez2020-Projekts soll die Umlage getade vremieden werden, weil hier verschiedenste Maßnahmen gefördert „ausprobiert“ und deren Kosten, Nutzen und Akzeptanz verglichen werden soll.

Für eine, für die Mieter günstige Maßnahmenumsetzung ist entscheidend, Klimaschutz- und –vorsorgemaßnahmen noch vor einer gesetzlichen Regelung durchzuführen, weil eine öffentliche Förderung i.d.R. nicht für Vorhaben gewährt wird, die bereits gesetzlich vorgeschrieben sind.

Die Wirtschaftlichkeit von Investitionen zum Klimaschutz (vor allem der Energieeinsparung) werden sehr unterschiedlich bewertet. Die Auswirkungen auf die Warmmieten und sonstigen Energiekosten (Strom, Gas etc.) sind vor allem von der Energiepreisentwicklung abhängig. Unterschiedliche Szenarien und Prognosen gehen von einer moderaten Entwicklung der Energiepreise mit 3 bis 5 % Steigerung pro Jahr bis zur Verdreifachung der Energiekosten im Jahr 2020 aus.


Warum hat man bisher nichts über das Ökokiez2020 Projekt erfahren?

Vermutlich, weil man sich nicht informiert hat: Die Ökokiez-AG hat sich bereits 2008 gegründet und in den Versammlungen des Kiezbündnisses regelmäßig über die Arbeit berichtet.  Im Oktober 2008 wurde im Kiezbüro eine gut besuchte öffentliche Veranstaltung zu dem Thema Klimaschutz und Energieeinsparung durchgeführt. In dem 2009 erschienen Kiezblatt Nr.33  wurde über die Ziele und Ideen des Projekts berichtet. Auf dem Kiezfest 2009 im Ziegenhof wurde mit einem Infostand und zwei Infotafeln für eine Mitarbeit geworben. Schließlich fand im November 2010 eine weitere öffentliche Veranstaltung zum Auftakt der Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes mit dem Bezirksamt, der B.&S.U. und der GEWOBAG statt. Alle Sitzung der der AG waren öffentlich.

Wer diese Möglichkeiten (noch) nicht genutzt hat oder weitere Fragen und Anregungen hat, kann diese bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung des Bezirksamtes am 9. März 2011 ab 19 Uhr in der Nehringschule einbringen.


Wo kommt das Geld für das derzeit erarbeitete Klimaschutzkonzept her?

Die Finanzierung der Konzeptbearbeitung durch die Fachgutachter erfolgt ganz überwiegend im Rahmen des Bundesprogramms "Kommunaler Klimaschutz". Die Kofinanzierung hat die Senatsverweltung für Stadtentwicklung und die GEWOBAG Wohnungsbau-AG übernommen. Mittel aus dem Haushalt des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf werden nicht eingesetzt. Die Begleitung des Ökokiez2020-Projekts durch AG im Kiezbündnis Klausenerplatz e.V. ist ehrenamtlich. Daher sind Behauptungen, durch das Ökokiezprojekt müssten Gelder für andere wichtige Projekte im Bezirk gestrichen werden, völlig abwegig.


Soll es eine „Bimmelbahn“ im Klausenerplatzkiez geben?

Von interessierter Seite wird gelegentlich der Sinn des Ökokiez2020-Projekts in Frage gestellt und dabei gerne auf eine „Bimmelbahn“ verwiesen, die angeblich demnächst durch den Kiez rollen soll. Richtig ist, dass sich anlässlich einer öffentlichen Kiezkonferenz zum Bürgerhaushalt im Juli 2008 eine heftige Diskussion über eine Touristen(bimmel)bahn durch den Kiez entwickelte. Diese Anregung wurde als mögliche (!) Maßnahme in die Projektplanung aufgenommen, um die Nutzung von U+S-Bahn für die Kiezbewohner zu erleichtern, aber auch um älteren oder behinderten Menschen oder Fußgängern mit Lasten (z.B. schweren Einkäufen) die Fußwege zu verkürzen. Die „Kiezbahn“ könnte z.B. – ohne Bimmeln – durch die verkehrsberuhigte Zone zwischen dem S-Bahnhof Westend im Nordwesten und dem U-Bahnhof Sophie-Charlotte-Platz im Südosten des Kiezes pendeln (Hinweg Danckelmannstraße – Rückweg Nehringstraße) und dabei an beliebigen Haltepunkten das Ein- und Aussteigen ermöglichen. Aber das ist bisher nur eine von vielen noch nicht ausgeplanten Vorschlägen.

 

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