Stolpersteine

Stolperstein für Richard Schiffmann
Stolperstein für Richard Schiffmann

 

Seit 2010 verlegt das Kiezbündnis jährlich „Stolpersteine“ für jüdische Menschen, die im Kiez gewohnt haben und von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet worden sind. Wir beabsichtigen, in den nächsten Jahren aller 66 Opfer auf diese Weise zu gedenken.

Zu diesem Zweck rufen wir die Kiezanwohner jährlich zu Spenden auf.

Auf einem begleitenden Flyer werden die jeweiligen Lebensdaten und – soweit in Archiven vorhanden – biographische Informationen veröffentlicht.

Eingeweiht werden die verlegten Stolpersteine jeweils mit einer kleinen Gedenkfeier am 9. November, den Tag der Reichspogromnacht 1938.

 

Spenden überweisen Sie bitte auf unser Vereinskonto Kontonummer 635 271 100 bei der Postbank Berlin Bankleitzahl 10010010 mit dem Verwendungsnachweis „Stolpersteine“. Bei Angabe einer Anschrift senden wir Ihnen einen Spendenbeleg zu.

Stolpersteine Flyer

Stolpersteine 2013 Flyer PDF

Wir erinnern an die folgenden früheren jüdischen Bewohner unseres Wohnviertels:

Selma Schottlaender, Gertrud Schottlaender,  Richard Schiffmann,  Dr. Richard Simson, Margarete Kornblum und  Eta Klinkowstein geb. Tscheraschkin

 

Stolpersteine 2012 Flyer PDF

Wir erinnern an die folgenden früheren jüdischen Bewohner unseres Wohnviertels:

Albert Hartog, Karl Hartog, Bianca Behrend, Bruno Nehab, Hertha Waldo, Regina Strauch, Alfred Strauch, Helmut Strauch und Sigmund Mones

 

Startet den DownloadStolpersteine 2011 Flyer 01 PDF

Startet den DownloadStolpersteine 2011 Flyer 02 PDF

Wir erinnern an die folgenden früheren jüdischen Bewohner unseres Wohnviertels:

Else Friedländer, Martha Friedländer, Hans Leibholz, Laura Leibholz, Lieselott Leibholz, Fritz Moritz Lipnowski, Johanna Visser und Johann Visser

 

Stolpersteine 2010 Flyer 01 PDF

Startet den DownloadStolpersteine 2010 Flyer 02 PDF

Wir erinnern an die folgenden früheren jüdischen Bewohner unseres Wohnviertels:

Joseph Berenblum, Cypra Berenblum, Klara Berenblum, Gertrud Rein, Edith Rein, Siegfried Huppert und Susie Huppert

 

Stolpersteine Flyer 2013
Stolpersteine Flyer 2013
Stolpersteine Flyer 2012
Stolpersteine Flyer 2012
Stolpersteine Flyer 2011
Stolpersteine Flyer 2011
Stolpersteine Flyer 2010
Stolpersteine Flyer 2010

Bilder in Fotogalerie

Einweihung des Stolpersteins für Richard Schiffmann 9. November 2013

Stolperstein Einweihung
Stolperstein Einweihung

Rede von Frau Kayser 

Noch ein paar Tage, bevor der Stolperstein für Richard Schiffmann am 8. Juni verlegt worden ist, wusste ich nichts von Richard Schiffmann. Aber jetzt steht sein Name auf dem Stolperstein vor dem Haus, in dem ich mit meiner Familie wohne. Jeder, der hier vorbeigeht, kann lesen, wie der Mann hieß, der am 10. April 1894 geboren wurde und hier gewohnt hat. Man erfährt, dass Richard Schiffmann 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Er muss folglich 50 Jahre alt geworden sein.

Einer Datenbank im Internet kann man entnehmen, dass Richard Schiffmann von Berlin aus zunächst nach Theresienstadt deportiert wurde. Auch darüber informiert uns der Stein. Dies geschah am 17. März 1943. In Theresienstadt hat Richard Schiffmann die letzten eineinhalb Jahre seines Lebens verbracht, bis er schließlich am 16. Oktober 1944 von dort nach Auschwitz gebracht wurde, wo seine Ermordung stattfand. Mehr verrät uns der Stein nicht über Richard Schiffmann, und mehr konnte man über ihn bislang wohl auch nicht in Erfahrung bringen.

Der Stein vor unserem Haus soll Erinnnerung wachhalten. Erinnerung an Richard Schiffmann und all die anderen, die die Nazis zum Verlassen ihrer Wohnungen zwangen. Der Stein markiert den Ausgangspunkt eines Weges, der nach Auschwitz führte. Von dem Haus, in dem wir heute wohnen, führte damals ein Weg nach Auschwitz. Das macht beklommen.

Andererseits ist Richard Schiffmann auf eine Art durch diesen Stein auch zurückgekehrt und nimmt wieder Platz ein in der Schloßstraße 4A. Um ins Haus zu gelangen, muss man an diesem schönen, glänzenden Stein mit seinem Namen darauf vorbeigehen. Und das ist irgendwie auch ein kleiner Trost: Am Ende ist es den Nazis nicht gelungen, seinen Namen und die Erinnerung an ihn auszulöschen. Im Gegenteil: Jeder, der heute unser Haus betritt oder an ihm vorbeigeht, kann es erfahren: In diesem schönen Haus lebte einst Richard Schiffmann. Bevor er von den Nazis umgebracht wurde, war er Bewohner dieses Hauses in der Schloßstraße 4A.

Für Richard Schiffmann und alle anderen Menschen, die den Nazis zum Opfer fielen, möchte ich ein paar Zeilen zitieren aus dem El male rachamim - Gebet, einem jüdischen Gebet zum Andenken an die Opfer der Schoah:

G’tt voller Erbarmen, in den Himmelshöhen thronend,

es sollen finden die verdiente Ruhestätte

unter den Flügeln Deiner Gegenwart,

in den Höhen der Gerechten und Heiligen,

strahlend wie der Glanz des Himmels,

all die Seelen der Sechs-Millionen Juden,

Opfer der Schoah in Europa (…),

so berge sie doch, Du, Herr des Erbarmens,

im Schutze deiner Fittiche in Ewigkeit

und schließe ihre Seelen mit ein in das Band des ewigen Lebens (…).

Und sie mögen wieder erstehen zu ihrer Bestimmung am Ende der Tage.

Amen

 

 

Einweihung der Stolpersteine 9. November 2011

Rede von Klaus Betz vor dem Haus Danckelmannstraße 44

Diese Stolpersteine wurden bereits im September verlegt, doch wir haben die Einweihung der Stolpersteine mit Bedacht auf den heutigen 9. November gelegt, an dem vor nunmehr 73 Jahren die sogenannte Reichskristallnacht stattfand.

Die berüchtigte Wannseekonferenz, auf der die massenhafte Vernichtung aller Juden in Europa sozusagen „offiziell“ beschlossen wurde, fand zwar erst über 3 Jahre später statt, doch hätte bereits spätestens nach jener Pogromnacht vom 9. auf den 10.November 1938 jedem in- und außerhalb Deutschlands klar sein können, daß Hitler und sein Regime  bei der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung keine Grenzen kennen würden.

Dennoch blieben die meisten jüdischen Deutschen hier, sie gingen weiter täglich zur Arbeit, sie kauften ein, sie machten ihre sonstigen Besorgungen, so, als ob nichts geschehen wäre. Und auch ihre nicht-jüdischen, also zumeist christlich getauften Nachbarn, schlossen die Augen vor dem doch schon so Offensichtlichen. Sie grüßten ihre jüdischen Nachbarn wahrscheinlich mehr oder weniger freundlich wie immer und kümmerten sich ansonsten um ihre eigenen Dinge.

Freilich gab es in unserem Kiez auch solche Menschen, die ihren jüdischen Nachbarn und Bekannten halfen, wenn diese bereits in Not geraten waren, ihre Arbeit verloren oder unter Repressalien der NS-Herrscher zu leiden hatten. Uns liegen Zeitzeugenberichte vor, nach denen diese nachbarschaftliche Hilfe vor allem in den eher unpolitischen, begüterten Familien an der Schloßstraße oder im südlichen Kiez, also hin zum Kaiserdamm, nicht unüblich war.

Geradezu berühmt geworden ist jene Berliner Taxifahrerin Kläre Begall, die ihren Bekannten, den jüdischen Pressezeichner und späteren Ehemann Erich Bloch, jahrelang in ihrer kleinen Wohnung im Horstweg bis zum Eintreffen der Roten Armee versteckt gehalten hatte. Nach jener Kläre Bloch, wie sie dann hieß, wurde ja bekanntlich 2004 auf Initiative des Kiezbündnisses der Platz an der Kreuzung von Knobelsdorff-, Nehring- und Wundstraße benannt.

Die große Mehrzahl der Deutschen aber schwieg zu dem Unrecht, und allzu viele beteiligten sich sogar aktiv daran.

Dabei war unser Kiez bis zur Machtübernahme Hitlers eine der Berliner Hochburgen des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus gewesen. Hier lagen die Arbeiterparteien SPD und KPD bei allen Wahlen – im Unterschied zum übrigen Charlottenburg - weit vor der NSDAP und den bürgerlichen Parteien. Hier gab es eine Häuserschutzstaffel, die sich gegen die SA-Schlägertrupps zu behaupten wußte. Hier in diesen Kiez trauten sich die Nazis lange Zeit nicht hinein. Doch spätestens mit der Hinrichtung Richard Hüttigs, des Leiters jener Häuserschutzstaffel, im Juni 1934 in Plötzensee, und mit der Verhaftung prominenter Widerstandskämpfer, brach auch hier der organisierte Widerstand zusammen.

In den Folgejahren übernahmen die Nazis auch in unserem Kiez die Herrschaft. Haus für Haus, Block für Block und Straße für Straße. Haus- und Blockwarte wurden eingeführt, das Denunziantentum erblühte. In der Folge wurden die zwischenmenschlichen Beziehungen, die in den Jahren der Weimarer Republik von Freundschaften und nachbarschaftlicher Solidarität geprägt waren, mehr und mehr von Vorsicht, Angst und Mißtrauen bestimmt. So gelang es den Nazis, die Gesellschaft von innen her zu vergiften. Sie nutzten dieses Klima, um ungestört ihrem teuflischen Werk, der systematischen Vernichtung der Juden, nachgehen zu können. Nur so war es möglich, Nacht für Nacht bestimmte jüdische Familien – eine nach der anderen – aus ihren Betten zu reißen und wegzubringen zu einer der Sammelstellen in der Stadt, von denen aus sie in die Vernichtungslager transportiert wurden. Sie wurden weggebracht von ihren Wohnungen, von ihren Arbeitsstellen, von ihren Verwandten und Freunden. Zurück blieben ihre leeren Wohnungen. Und zurück blieben ihre Nachbarn im Haus, die das Verschwinden natürlich bemerken mußten. Auch im Tante-Emma-Laden gegenüber, wo die gewohnten morgendlichen Einkäufe einer Frau Friedländer von einem Tag auf den anderen plötzlich aufhörten. Oder im Tabakladen um die Ecke, wo ein Herr Leibholz plötzlich nicht mehr wie seit Jahren am Freitag nachmittag kam, um  seine Wochenration Pfeifentabak zu erstehen und dabei ein Schwätzchen mit dem Ladeninhaber zu führen. Oder bei der Firma für optische Geräte in Schöneberg, wo die ungelernte Arbeiterin Liselott Leibholz eines Tages eben nicht mehr wie gewohnt morgens um 7.30 Uhr an ihrer Maschine stand. Was sagten da wohl ihre Kolleginnen? „Die wurde sicher abgeholt“ – so mögen sie gemutmaßt haben. Überhaupt war dieses „Die wurden abgeholt“ eine oft benutzte Redewendung in jener Zeit, war es doch zur Gewohnheit geworden, daß in den Häusern, in den Geschäften, in Betrieben oder Schulen immer mehr Menschen plötzlich verschwunden waren. „Die wurden abgeholt“ – und warum? Nur , weil sie jüdischer Abstammung waren.

Alle diese Einzelfälle addierten sich bis zum Zusammenbruch des Nazi-Regimes zu jenen unfaßbaren 6 Mio. ermordeter Juden in Europa. Sie wurden Opfer einer gnadenlos perfekten Vernichtungsmaschinerie, wie sie wohl nur wir Deutschen zu schaffen imstande waren.

Bei allem Unrecht, Krieg und Massenmord, der vor, während und nach dem „3. Reich“ anderswo auf der Welt geschah und immer noch geschieht, dürfen wir die Einmaligkeit dieses „Holocausts“ nie vergessen.

Der zahlenmäßigen Masse an Getöteten wird das „Holocaust-Mahnmal“ nahe dem Brandenburger Tor sicher sehr eindrucksvoll gerecht. Um an die Einmaligkeit jedes einzelnen Opfers zu erinnern, ist wohl die Verlegung von einzelnen Stolpersteinen, jeder versehen mit Namen, Geburtsdatum und -ort, letztem Wohnort, sowie Deportations- und Todesdatum und –ort, eine bessere Möglichkeit. So, wie wir dies für fünf Menschen getan haben, die in diesem Haus gelebt haben und die jeder für sich einmalig waren.“

 

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